Was, bitte, liegt auf Ihrem Nachttisch?

 

 

Seit 2004 veröffentlichte der Nachttischbuch-Verlag -  ohne viel Geld, aber mit guter Laune und viel Mut - über 33 Buch-Titel (als Soft- oder Hard-Cover oder als e-Books, im In- und Ausland).

 

Lohnte das? Auf jeden Fall.

 

Nur finanziell kaum. Aber es entstanden Sach-Bücher, Gedichtbände, Romane sowie überarbeitete Neu-Auflagen - die bei anderen Verlagen vermutlich nicht auf genügend pekuniäre Neigung gestoßen wären.

 

Am 22. März 2021 starb die Verlags-Mitgründerin Antje Hadler. Sie war der gute Geist und die stete Inspiration des Verlages. Und gab von ihrem Professorinnen-Gehalt (und insoweit wenig wachsenden Ersparnissen) oftmals Geld, zumal wenn ein Buch-"Projekt" schon an der ersten Finanzierung für Layout oder absehbare Druckkosten zu Scheitern drohte.

 

Zwei Jahre nach ihr, im selben Monat, starb der Pop-Poet Christoph Heemann. Fünf Gedichtbände konnte der hauptberufliche Mitarbeiter eines Integrationsprojektes am Bodensee im Nachttischbuch-Verlag seit 2009 immerhin veröffentlichen - in seinem zweiten Leben als Autor "Paul Heinrich". Viele weitere hatte er sorgsam geplant. Wir telefonierten oft. Er schickte Exposés. Es fehlte indes jedes Mal das nötige "Startkapital". Das war "uns" erstmal egal. Wir wagten was.

 

Im November 2024 wurde der Verlags-Mitgründer und Lektor Rainer Jogschies schon Siebzig, hoppla, the times - they are a changin´. Zeit für die Rente, für den Rückzug? Aber wer soll denn das bezahlen? Der Mann wird ja nicht jünger oder reicher. Allerdings hat er als jahrzehntelanger Freiberufler auch nix von einer CDU-"Aufstocker-Rente", die ohnehin nur für ehemalig bräsige Angestellte und keine erprobten "Freiberufler" da ist.

 

Durch diese traurigen Lebens- und Gesellschafts-Umstände - und leider eben auch aus den angedeuteten profanen finanziellen Gründen - war 2025 ein leider ziemlich grundsätzliches Überdenken der bisherigen Verlags-"Linie" für dessen "Zukunft" unumgänglich. Scheiß "Realismus"! Welche Partei hat eigentlich eine seriöse "Kulturpolitik"? Bitte um sach-dienliche Hinweise!

 

 

Fünf wundervolle Autoren gingen - teils schweren Herzens und nach zwanzig Jahren - von Bord, aber hoffentlich nicht unter:

  • Die Malerin und herrliche Erzählerin Ina Bruchlos,
  • der Schauspieler, Regisseur und humorvolle Reimer Michael Hasenfuß,
  • der doppelbödige Krimi-Autor Klaus Paffrath,
  • der Musiker und mittlerweile "Ukelele-Papst" Roland Prakken,
  • sowie der versonnene, scharfzüngige Aphoristiker C. F. Schiermeyer.

 

Wir bedauern sehr, dass "wir" den - vor Jahrzehnten mit Erstveröffentlichungen und überfälligen Reprints begonnenen - gemeinsamen Weg nicht "Weiter so!" fortsetzen konnten.

 

Doch diese fünf Autorinnen und Autoren begleiten "uns" und damit Sie - sowohl in der öffentlichen Erinnerung als auch durch ihre veröffentlichten Werke - weiterhin (in alphabetischer "Ordnung"):

 

 

Zehn Bücher sind (ab Ende 2024 und bis irgendwann ein Nachlassgericht zuschlägt) - also nach wie vor und wie immer - im Buchhandel und somit europaweit erhältlich. Durch diese schmerzlichen Einschränkungen konnten wir zunächst mal enorme Kosten senken - wenn auch leider ohne einige ehemalige tolle Nachttischbuch-Titel, die aber weder online (noch in merkwürdigen "Book-Stores") seit langem kaum mehr aufmerksame Leser fanden. Warum denn bloß? So teuer war ein Kauf doch nicht. Viele Handy-Flatrates sind weitaus teurer...

 

Naja. Wir jedenfalls "sparten" schlicht durch Aufkündigung von eher seltenen Verkaufsmöglichkeiten in Australien, der Schweiz oder Großbritannien (früher Europa). Oder für die ebenfalls kaum genutzten, "internationalen" e-Books-Ausgaben. So wird zumindest wohl nicht mehr von "Künstlicher Intelligenz" in idiotischen elektronischen "Trainings"-Verfahren geräubert, was mal natürlich und intelligent war. Wozu noch lesen, wenn ein "Programm" irgendwas, das es nicht versteht, zusammenstoppelt?

 

Somit ist der Verlag also so gut wie "offline", aber dadurch keineswegs "alt-modisch".

 

Die nunmehr aus dem Programm gestrichenen Bücher sind allerdings in Antiquariaten oder in Staatsbibliotheken (z.B. in Hamburg, Frankfurt und Leipzig) durchaus noch für Sie verfügbar. Es gibt ja noch die "Abgabepflicht" für Verlage - und zumindest die hypothetische Chance für Leser, sich kostenfrei ein Exemplar "auszuleihen" (was Autorinnen oder Autoren beim Überleben nicht so sehr hilft).

 

So stark ist das "Dichter- und Denker-Land" Deutschland (so "resilient" heißt das heute, auch wenn dies nach Zahnwurzelbehandlung klingt!). Immerhin verdienen zahlreiche Online-Anbieter nach wie vor am Verkauf "gebrauchter" Bücher aus unserem Nachttischbuch-Programm - ebenfalls ohne den Verlag daran ein wenig zu "beteiligen" - was allerdings eine Frage des seit langem verlorenen Anstands wäre.

 

Da aber die Gedichte von Christoph Heemann und der Roman Salzflut von Nikola Anne Mehlhorn auf den Nachttischbuch-Webseiten bereits teils zehntausende Male "aufgerufen" wurden, sind deren kostbare Arbeiten nunmehr als kostenfreie PDF für weitere Zehntausende hoffentlich lange noch zu entdecken. Eine irre, aber leider konsequente und irgendwie auch hübsch trotzige Idee.

 

Wir freuen uns jedenfalls sehr, dass uns und Ihnen dieser Lesegenuss nicht verloren ging!

 

 

Der Pop-Poet starb am 11. März 2023, Copyright: Nachttischbuch-Verlag, Berlin (no usage without written permission/contact: info@nachttischbuch.de)

Christoph Heemann

Wir denken an Christoph Heemann

Der Poet starb am 11. März 2023


Christoph Heemann schrieb, wenn ihm Worte abhanden zu kommen drohten. Dann hörte er nicht mehr auf die Versprechungen und Hoffnungen anderer.


Ihm war dichterische Tradition nicht egal. Aber Rhythmus,Versmaße und Betonung waren für ihn so wesentlich wie in einem guten, konzentrierten Popsong, der "die Welt" in den Alltag verdreht - und nicht umgekehrt. So wie bei seiner Lieblingsband Interzone, deren Sänger Heiner Pudelko viel "zu früh" starb.


Was half einem Autor ein Fixpunkt "Kaspar Hauser", ob historische Person oder literarischer Mythos? Welcher Platz war ihm von jenen zugedacht, die ihn nicht kannten oder ertrugen oder gar töteten? War das denn ein "Stoff" für einen "heutigen" Poeten?


Es war jedenfalls eines der Leitmotive, die "Paul Heinrich", so sein Dichtername, variierte. Ob Liebe und Leidenschaft, ob Suff oder Sehnsucht, ob Versprechen oder Verrat - der Pop-Poet Christoph Heemann stürzte sich geradezu in seine Zeilen.

 

Dein Schreiben fehlt uns. Tschüß, Christoph!

 

Der Roman über die aufgeblähte #Buchmesse!

Buchmesser reloaded

Wer liest denn noch ein Buch?

Das Verramschen ist Alltag ...


Kann "die KI" nicht rasch mal "erzählen", was in all den "neu" erschienenen Büchern steht? Was berichten uns all jene Texte, die auf der Buch-Messe als "Bestseller" dargeboten werden?

Welche Bücher sind Weitererzählung vorangegangener? Inwiefern ist ein "Hörbuch" eigentlich ein Buch? Wie hat ein "Podcast" denn "irgendwas mit Journalismus" zu tun?

Rainer Jogschies schrieb schon 2004 den scheinbar "altmodischen" Roman "Der Buchmesser" - eine tragi-komische Geschichte von einem, der auszieht, sein Glück in Frankfurt/Main zu suchen: Er will sein hoffentlich einzigartiges Buch veröffentlicht wissen. Das jährliche Treffen der Autoren, Verleger und Grossisten, Journalisten und Leser in Frankfurt/Main erscheint ihm jedoch schon nach Stunden bloß als Jahrmarkt der Eitelkeiten (mit dem Charme eines kleinstädtischen Baumarktes).

Sein Traum platzt ehe es überhaupt zu einem Gespräch über sein Manuskript kommt.

Die Schwierigkeiten eines ersehnten Bucherfolges sind in der Messe-Welt unerwartet ernster. Die ihn wollen, machen sich dabei oft nicht nur lächerlich. Der verträumte, hoffnungsfrohe Autor im Roman Der Buchmesser erlebt rasch den Alptraum eines Rest- statt eines Bestsellers.

 

Ramsch wird halt nicht nur geschrieben. Er wird allmählich das verheimlichte Markenzeichen der Branche.

Rainer Jogschies besuchte die Frankfurter Buchmesse seit Mitte der Achtzigerjahre. Er veröffentlichte erfolgreich Sach- und Fachbücher, Reportagen, und Essays in "großen" und "kleinen" Verlagen.

Dabei lernte er die Schattenseiten einer schreiblustigen, aber lesefaulen Szenerie kennen. In Vorlesungen und Seminaren, auf Tagungen und bei Gewerkschaftstreffen berichtete er davon bevor er seinen mokanten Roman wie einen Zollstock auffaltete. 

 

Das Buch knüpfte autobiografisch an die Erfahrungen an, die er in Zeiten der NATO-Nachrüstung und der Großdemonstrationen der Friedensbewegung in der Reportage Wo, bitte, geht´s zu meinem Bunker? festhielt und auf der Buchmesse vorstellte. Seine wahren Geschichten zum Zivilschutz in Deutschland wurden meist mit einer Satire verwechselt, der Stil des Autors mehr gelobt als nach den Inhalten einer menschenverachtenden Kriegsvorbereitung gefragt. Das thematische Desinteresse war bei Lektoren und Rezensenten groß; glücklicherweise fand das Buch dennoch seine Leser und wurde bis zur Neu-Veröffentlichung in 2010 durch den Nachttischbuch-Verlag jahrelang im Internet zu Ramschpreisen rege gehandelt.

 

Ähnlich war es mit der (erweiterten) Neuveröffentlichung in 2009. Viele Leser lachten gereizt. Sie wollten nicht glauben, wie das hehre "Kulturgut Buch" von einer Branche, die davon lebt, so verwurstet würde.

 

Aber warum erzählt denn auch ausgerechnet einer, der Bücher gern liest, "vom Ende des Erzählens"...

 

Der Buchmesser. RELOADED

 

Neuauflage, stark erweitert, Berlin 2009
220 Seiten zu 19,80 €
ISBN-13: 978-3-937550-16-9

 

Im Nachttischbuch-Verlag erschien der Essay von Rainer Jogschies zur Vewrabschiedung des Bundesverteidungsminister zu Guttenberg am 11. März 2011 (Reihe "Kleine Krautologie", Bd. 2, Nachttischbuch-Verlag)

Guttenberg goes Purple

Guttenbergs Abschied als Bundesverteidigungsminister 2011

Ein Plagiator klaute beim Pop...

 

Was geschah eigentlich am 11. März 2011? Der Verteidigungsminister zu Guttenberg verabschiedete sich von seinem Amt mit einem Zapfenstreich und "harter Rockmusik", nämlich dem Deep Purple-Song: "Smoke on the Water".

Wieso denn bloß? Die "großen" Zeitungen der Republik waren voll der mysteriösen Deutungen: Es war wohl seine Jugend - er ließ es eben "noch mal krachen"!

 

Aber "gekracht" hatte es an diesem Tag fernab in Fukushima. Von dieser Welt-Katastrophe war vergleichsweise weniger zu hören.


Rainer Jogschies war viele Jahre lang "Pop-Journalist" und leitete fünf "Dekadentagungen" zur "Gegen-Kultur". Seine amüsante Abrechnung mit einem adligen Amtsträger, der sogar noch Pop-Musik falsch zitierte, spiegelt über den gruseligen Anlass hinaus das beharrliche Unvermögen bundesrepublikanischer Politiker, mit Pop-Kultur und deren Integrität umzugehen.

 

Die dreisten Vereinnahmungen häufen sich inzwischen auch medial. Oft heißt es in ebenso hilflos dämlichen wie dadurch peinlichen "Nachrichten", irgendein Politker sei "gefeiert worden wie ein Pop-Star". Aha. Ach so.

 

Sie vertiefen bloß die jahrzehntealte Spaltung zwischen "Jugend" und einer "Parteipolitik"-Blase.

 

Der Essayband zum "Zapfenstreich" des Bundesverteidigungsministers am 11. März 2011 sowie anderen Vereinnahmungen der "Pop-Geschichte" umreisst mit vielen Details und Perspektiven die Notwendigkeit einer Debatte um die "politische" und die "Pop-Kultur" in der Bundesrepublik.

 

Ganz einfach hier bestellen:

132 Seiten zu 12,99 Euro. Guttenberg goes Purple,

Hamburg 2021 (ISBN-13: 978-3-937550-33-6)

 

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Im Bett ...

Ein Hinweis von Kurt Tucholsky

"Im Bett soll man nur leichte und unterhaltsame Lektüre zu sich nehmen sowie spannende und beruhigende, ferner ganz schwere, wissenschaftliche und frivole sowie mittelschwere und jede sonstige, andere Arten aber nicht."
 
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