Nennt mich nicht Polke!

Kurze Erzählungen von kurzen Sabbeleien

Ina Bruchlos schreibt seit einigen Jahren auf, was sie so redet, wenn der Alltag wieder einmal aus den Fugen gerät.
Sie erzählt von ihrem Brotjob bei einem Musical in Hamburg, von dem Rumgerede bei Vernissagen, vom F.C. St. Pauli-Fan und seinen kleinen Erfolgen, von Kunst und Künstlichem, von missverständlichem Deutsch und allzu gut verständlichen Deutschen.
Das ist komisch - und bestürzend. Der Leser lacht - aber über wen eigentlich?
Ina Bruchlos beobachtet liebevoll, wie verrückt Menschen tagtäglich miteinander reden - und dabei das Chaos nur vergrößern, das ihnen allerdings als normal erscheint. Sie glauben dabei oft, die Antwort zu haben auf all die Fragen, die sie sich noch nicht einmal gestellt haben.
Andererseits trauen sie sich Fragen zu stellen, für die nicht einmal in Lexika Befriedigendes zu finden ist. Wie gut, dass Ina Bruchlos auch keine Antworten weiss - und uns mitraten lässt.
Ina Bruchlos lebt direkt an der Straße und sie hört zu, wenn im Straßencafé geredet. In ihren Texten flaniert zwischen den Worten, die sich hie und da zu eigenen Häusern auftürmen. Ihre Straße ist die Sprache. "Nennt mich nicht Polke!" war 2005 ihr heiteres, wunderbares Debüt., das von ihrem Leben als Künstlerin handelt und das so gar kein "Künstlerleben" ist, wie  es sich der Volksmund zusammenfabulieren würde.

Zwischen Kunst und Künstlichem, Deutlichem und Deutschen

Kurze Erzählung mit kurzen Schlüssen

In ihren "Kurzen Erzählungen" wie beispielsweise "Mittwochskartoffeln" öffnen sich Abgründe, in die der Leser allerdings lachend sieht - sonst würde ihm schwindelig. Manchmal ist allzu deutlich, was uns ans Ohr dringt, und manchmal allzu deutsch. Ina Bruchlos schafft spielend das Künstliche in der Kommunikation der Lächerkeit preiszugeben - das ist ihre Kunst.
Eine ihrer stets gewitzten und selbstironischen Geschichten handelt davon, dass Zeitgenossen anderen gerne Etiketten anhängen, um sie dann gerade deswegen abzulehnen. Da wird der Zirkelschluss zum Kurzschluss. Das ist  natürlich ungerecht, aber alltäglich.
Und es wäre umgekehrt auch nicht gerecht, den Redeschwall und die Schreibschärfe der Erzählungen von Ina Bruchlos sowie die Absonderlichkeiten ihrer geschilderten Situationen zu vergleichen mit Thomas Bernhard, Hanns-Dieter Hüsch, Ingomar von Kieseritzky oder Eckhard Henscheid. Also lassen wir's. Lesen Sie's selbst!

120 Seiten zu 14,80 Euro
Erstausgabe, Berlin 2005
Copyright © Nachttischbuch
ISBN: 3-937550-05-4

Neue ISBN: 978-3-937550-05-3

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